Generatives Design - Design der Zukunft

Generatives Design - Vom Kreateur zum Kurator (Teil 2)

Was unter generativen Design verstanden werden kann, haben wir im ersten Teil erläutert. Doch vor welchen möglichen Schwierigkeiten stehen wir mit dieser Technik? Wie kann generatives Design im heutigen Kommunikationsdesign unterstützen?

Formfindung – klassisch versus code-basiert

Doch der Designer fällt niemals ganz weg. Seine Fähigkeiten sind innerhalb des Formfindungs- und Auswahlprozesses gefragt. Fähigkeiten, die der Computer aller Voraussicht nach nicht so schnell wird übernehmen können, wie z.B. die Intuition und das ästhetische Farb- und Formempfinden. Denn wie wir alle wissen, Form follows Function. Design orientiert sich immer an den Bedürfnissen des Menschen. Deswegen wird es auch in Zukunft trotz der fortschreitenden Automatisierung Designer geben, die diese Bedürfnisse kennen und unter Berücksichtigung dieser eine Auswahl treffen können. Wie riecht ein bestimmtes Material oder wie fühlt es sich an? Wie klingt ein Verschluss, wenn man ihn öffnet und schließt? Überall dort wo Optik, Akustik und Haptik gefragt sind, braucht es weiterhin die Wahrnehmung und das Urteilsvermögen eines Menschen.

 

Generatives Design im Kommunikationsdesign

Doch welche Entwicklungen finden im Kommunikationsdesign statt? Um es vorweg zu nehmen: generatives Design hat im Kommunikationsdesign bei weitem nicht den Stellenwert, wie in den Bereichen Automobil-, Industrie- und Produktdesign. Ein Hauptgrund hierfür ist der ästhetische Aspekt, der wesentlich wichtiger ist als beispielsweise im Industriedesign, wo viele Komponenten verbaut und somit nicht direkt sichtbar sind.

 

Echte generative Designlösungen sind im Kommunikationsdesign rar, da in den von Kommunikationsdesignern verwendeten Standard-Programmen (Photoshop, Illustrator, Sketch, etc.) eine solche Funktionalität bislang fehlt, abgesehen von wenigen externen Plugins. So müssen Agenturen, die Projekte auf Basis eines generativen Designs realisieren möchten, sich meist noch selbst behelfen und entsprechende Tools in Eigenregie entwickeln. So geschehen im Fall des Schweizer Pharmaunternehmens Actelion, das die Agentur Onformative damit beauftragte, eine visuelle Identität zu entwickeln ohne das Logo selbst anzutasten. Diese produzierte den sogenannten „Imagery Wizard“, ein Werkzeug, das mit Hilfe von KI-Algorithmen Fotos in graphische Bilder umwandelt.

 

 

Die norwegische Agentur Neue hat sich auf generative und dynamisch visuelle Identitäten spezialisiert und entwickelte für die Gemeinde Nordkyn ein Zeichen, das, eingebunden in die Website, alle 5 Minuten je nach Wetterlage vor Ort die Form verändert. So zumindest die Idee. Denn ein typisches Problem ist, dass generative Designlösungen es schwer haben, den Weg von der Idee bis zur Umsetzung zu meistern. Es fehlen oft die technischen Voraussetzungen, ein solches Design abzubilden wie zum Beispiel bei statischen Profilbildern im Social Media. Oft fehlt es auch an Mitteln oder der Konsequenz, das Projek t bis zum Ende durchzuziehen.

 

 

In den letzten Jahren sind zwar zahlreiche dynamische Logos entstanden, aber dynamisch ist nicht gleich generativ. Ein dynamisches Design entsteht auch ohne Unterstützung von KI-Algorithmen und bezieht sich auf das Endprodukt. Während ‚generativ‘ den tatsächlichen Entstehungsprozess meint, beschreibt ‚dynamisch‘ die Art und Weise, wie Logo, Farben und Gestaltungselemente kombiniert werden.

 

Das Erscheinungsbild für die EXPO 2000 in Hannover ist zwar kein generatives Design, aber definitiv eine Art Vorreiter. Es ist gewissermaßen das Gegenmodell zum klassischen Logo, bei dem Form und Farbe akribisch genau definiert wurden. Es sprengte viele bis dato geltende Konventionen und sorgte damals für viel Aufsehen.

 

 

 

Eine der wohl bekanntesten Arbeiten im Bereich generatives Kommunikationsdesign ist das Logo für das MIT Media Lab, das über 40.000 Permutationen/Instanzen verfügt.

 

 

Ein eindrücklicher Beleg dafür, dass generatives Design in unserem alltäglichen Leben angekommen ist, ist die "Nutella Unico" Kampagne letztes Jahr. Durch einen Algorithmus, der tausende Muster und Farben kombiniert, entstanden sieben Millionen Unikate.  

 

 

Mercedes-Benz ließ für den Messestand auf der IAA 2011 eine Installation entwickeln, bei der die Bewegung von Fahrzeugen getrackt wird, sodass diese mit LEDs bestückten Wänden in Echtzeit interagiert.

 

Generativem Design gehört die Zukunft

Es ist extrem spannend zu sehen, was mit Hilfe von Algorithmen visuell möglich ist und welche Tools es mittlerweise gibt, die auch Designer mit wenig Programmiererfahrung nutzen können, um generatives Design entstehen zu lassen.

Doch nicht jedem gefällt ein Logo, das dynamisch seine Form verändert und nicht zu jedem passt ein Design, dass in Echtzeit mit dem Betrachter interagiert. Für einige Marken und Unternehmen ist ein statisches Erscheinungsbild oft die bessere Wahl und in den meisten Fällen ist die Intuition des Gestalters gefragt, um das beste und jeweils adäquate Mittel zu wählen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass man als Designer all seine Möglichkeiten kennt.

Allen die tiefer in das Thema eintauchen möchten, empfehlen wir das Buch „Generative Gestaltung“, erschienen im Hermann Schmidt Verlag, und die dazu begleitende Website.

Außerdem interessant, für alle, die Tools für generatives Design suchen: Die 10 besten Tools für generatives Design

Über den Autor

Laura ist unsere Frohnatur und digitale Künstlerin wenn es um Typografien, Bildern, Formen, Farben geht ... kurzum: unsere Visualisierungsqueen.

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