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Ferrero's Sammelaktion zur WM

Zahllose Unternehmen locken zur WM mit Aktionen und Prämien. Ferrero weiß Events seit Jahren gekonnt einzusetzen und für sich zu nutzen. Wir nehmen die "Lovebrands" von Ferrero mal genauer unter die Lupe und erklären euch den Aufbau der Sammelaktion

Auf keiner anderen Plattform wie dem Sport findet man so viele Emotionen: Freude, Trauer, Wut, Spaß, Nervosität, Erleichterung, Teamspirit - um mal einige zu nennen. Zudem kommt, dass die WM mehrere Millionen Zuschauer hat, welche Zuhause oder auf öffentlichen Plätzen in Form von “Puplic Viewing” mitfiebern und das eigene Team anfeuern.

Für Unternehmen sind dies nur zwei Gründe, um den Wirbel rund um die WM aufzugreifen. Zwei gute Gründe, um es für eigene Zwecke zu nutzen. Sei es durch Sammelaktionen, Rabattaktionen, Gewinnspiele oder einer Vermischung aller. Jedes Mittel ist recht, um auf sich aufmerksam zu machen, die Marke zu emotionalisieren und ein positives Image aufzubauen. Für diese WM startet Ferrero wieder ihre Sammelaktion “Lovebrands” und steht dafür in Kritik.

 

"Lovebrands"-Sammeplpunkte

Die „LoveBrands“-Sammelpunkte befinden sich seit Ende Februar 2018 auf allen Aktionspackungen. Mit jedem Kauf eines Produktes, erhält man so zwischen ein und zwei Punkten, die in einem Sammelheft gesammelt, eingeklebt und bis zum 15.07.18 eingesendet werden können.

 

Darüber hinaus gibt es innerhalb des Aktionszeitraumes auf weiteren Sonderpackungen (Milchschnitte, Kinder Pinguin, Kinder Maxi King, Kinder Chocofresh, Kinder Happy Hippo Cacao und kinder friends) zur WM „LoveBrands“-Sammelpunkte. Alle „LoveBrands“-Sammelpunkte haben denselben Wert: 1. Einzige Ausnahme bilden die verschiedenen Aktionspackungen der teilnehmenden Marken, auf denen unterschiedlich viele Sammelpunkte zu finden sind (siehe Auflistung oben).

 

Insgesamt kann man aus 7 verschiedene Sachprämien seine Wunschprämie auswählen:

  • 2er-Set Gläser (35 Punkte)
  • Trinkflasche (50 Punkte)
  • Rucksack (55 Punkte)
  • DFB-Unterschriftenball (70 Punkte)
  • Einkaufskorb (75 Punkte)
  • Powerbank (75 Punkte)
  • Bluetooth-Kopfhörer (90 Punkte)

 

Wer sich die Auflistung ein klein wenig genauer ansieht stellt fest, dass man ca. 1,- € für 1 Punkt ausgeben muss. Für einen Rucksack wären das beispielsweise knapp 55,-€ oder 70,-€ für einen DFB-Unterschriftenball. Klingt viel? Nun, nachdem die Deutschen durchschnittlich über 170,-€ im Jahr für Süßigkeiten ausgeben ist jede Prämie - rein theoretisch - erreichbar.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat das Ganze einmal durchgerechnet und stellt fest, dass für den DFB-Unterschriftenball (mit aufgedruckten Unterschriften) 35 Gläser Nutella gekauft werden müssten, welches 15,75 kg Nutella, 9 Kilo Zucker und 5 Kilo fett beinhaltet. Oder anders ausgedrückt: über 84.800 Kalorien! Selbst unsere gesamte Nationalelf würde diese Menge an Kalorien nicht während der gesamten Vorrundenspiele verbrennen.

 

 

deutscher Gesamtverbrauch zum Vergleich

 

Nach Nielsen, fallen 10% der 172 € Süßwaren Jahresausgabe pro Person auf Weihnachten, Ostern und Halloween. Somit verbleiben nur noch rund 64,- € für die restlichen 5 Monate des Jahres, in denen kein Schoki-Feiertag ansteht. Ferrero bietet zudem an, bis zu 10 gratis Sammelpunkte per Torwandschießen zu gewinnen. Wer es schafft alle Versuche zu verwerten, ergattert dadurch umgerechnet ca. 10,- €. Durch die Aktion wird den treuen Kunden (der Statistik und Grundvoraussetzung nach, dass alle Süßigkeiten bei Ferrero gekauft werden) auf jeden Fall eine Prämie geschenkt (von Gläsern bis zum Ball). Naja, zumindest den "sehr loyalen" Kunden.

 

Nach Ansicht der Verbraucherzentrale NRW handelt es sich bei "Lovebrands" um eine aufwendige Werbeaktion für einen nicht sinnvollen übermäßigen Kauf von Ferrero-Produkten – unter dem Motto der Fußball-Weltmeisterschaft.”

 

“Wer sich anlässlich der WM einen Fußball wünscht, ist mit einem aus fairem Handel besser bedient. Ein solcher Ball ist deutlich preiswerter, ohne den Kauf von Zucker- und Fettbergen erhältlich und ein Teil des Erlöses kommt den Menschen in Entwicklungsländern zugute”.  

 

Selbstverständlich ist solch ein Konsum mehr als deutlich überhöht und streng genommen sind Süßigkeiten aus gesundheitstechnischen Gründen überhaupt nicht zu empfehlen, doch wer sich die Süßigkeiten nur kauft, um eine Prämie hier zu ergattern, kennt Amazon oder Ebay wohl nicht.

Über den Autor

Hani ist unser versierter "Growth Hacker", studiert Sportmarketing und trinkt Wasser aus Krügen.

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