Dropshipping im Onlinehandel

Die Revolution im Onlinehandel? (Teil 2)

“Händler verkauft, Großhändler oder Hersteller versendet.” Das Prinzip des Dropshippings lässt sich mit nur einem Satz ziemlich treffend beschreiben. In unserem zweiten Teil wollen wir zwei Varianten des Dropshippings vorstellen, auf mögliche Herausforderungen eingehen und Praxistipps zum Einstieg geben.

In unserem ersten Teil haben wir dieses Handelsmodell bereits vorgestellt, das insbesondere bei Onlinehändlern gerne zum Einsatz kommt. Was darunter zu verstehen ist und welche Vor- bzw. Nachteile dieses Logistiklösung mit sich bringt, könnt ihr hier nachlesen.

 

Dropshipping ist nicht gleich Dropshipping

Der Händler verkauft, der Großhändler oder Hersteller versendet. So lässt sich das Prinzip des Dropshippings eigentlich kurz und treffend beschreiben. Dabei lassen sich zwei gängige Formen unterscheiden: der Versand aus dem Großhandelslager und der Versand aus dem Konsignationslager. In keinem Fall sind diese Ansätze jedoch mit dem Kommissionsgeschäft zu vergleichen, da hier der Onlinehändler Ware auf fremde Rechnung verkauft. Wird eine Bestellung aufgegeben, erhält der Shopbetreiber eine entsprechende Provision für den Verkauf. Mit Dropshipping hat dies allerdings nicht wirklich was zu tun. Wir wollen uns daher zwei Varianten näher anschauen, die dem eigentlichen Dropshipping am ehesten entsprechen.

 

Fulfillment aus dem Großhandelslager

 

Hierbei kommt das Prinzip des wohl bekanntesten Werbehinweises zu tragen: Nur solange der Vorrat reicht! Dem Onlinehändler steht dabei das gesamte Produktportfolio des Großhändlers zur Verfügung. Soweit, so gut. Sobald das Produkt beim Großhändler nicht mehr vorrätig ist, kann es auch nicht mehr an den Kunden verschickt werden und die Bestellung kann vorerst nicht ausgeführt werden. Das ist natürlich nicht nur ärgerlich für den Kunden sondern oft auch für den Shopbetreiber, da dies nicht selten eine Stornierung der Bestellung nach sich zieht. In den seltensten Fällen weiß der Onlinehändler zu jedem Zeitpunkt, wie viel Stück eines Produkts beim Großhändler noch auf Lager ist. Der Grund dafür besteht darin, dass der Großhändler in aller Regel auch weitere Unternehmen beliefert die auf denselben Warenbestand Zugriff haben. Dem Shopbetreiber bleibt dabei meist nur eine Option, die zu erheblichen Mehrkosten führen kann: sich selbst um die Beschaffung und den Versand kümmern.

Fulfillment aus dem Konsignationslager

 

Die deutlich sicherere Variante für den Onlinehändler bietet das sogenannte Konsignationslager. Um keine bösen Überraschungen beim Warenbestand zu erleben wird für den Retailer ein eigenes, exklusives Lager im Zentrallager des Großhändlers eingerichtet. Die dort vorhandenen Warenbestände muss er sich mit keinem anderen Unternehmen teilen und stehen nur ihm zur Verfügung. Das erleichtert die Planung der Stückzahlen natürlich wesentlich, sodass es auch keine Engpässe beim Versand mehr geben kann. Für einen solchen Service berechnen die Großhändler natürlich eine gewisse Gebühr und nicht selten wird auf eine bestimmte Abnahmemenge bestanden, die der Retailer auf Lager nehmen muss. Das Risiko des Nichtverkaufes und der Ware trägt dabei zu jeder Zeit der Händler selbst.

 

Herausforderung: Retouren, Rücksendungen und Reklamationen

 

Einige Händler mögen uns an dieser Stelle vermutlich heftig nickend zustimmen: Retouren, Rücksendungen oder Reklamationen sind in jedem Fall ärgerlich. Eine besondere Herausforderung stellt die Handhabung der Retouren beim Dropshipping dar. Es müssen dabei einige Entscheidungen getroffen, wie bspw. die Frage an wen die Retoure adressiert werden soll: Händler oder Großhändler? In der Regel geht die Sendung an den Händler, doch was geschieht mit der retournierten Ware? Und was ist, wenn die Bestellung aus mehreren Paketen von unterschiedlichen Lieferanten bestand?

 

Im Idealfall sollte der Großhändler eine für beide Seiten, also Onlinehändler und Großhändler, vernünftige Lösung für Retouren und Reklamationen anbieten. Der Onlinehändler sollte also stets die Möglichkeit haben den retournierten Artikel widerum beim Großhändler zu retournieren. Bei Produkten, die in jedem Fall häufig verkauft werden oder bei denen die Verkaufsmarge durch die Rücksendung zu sehr geschmälert werden, kann der Onlinehändler diese im eigenen Lager verstauen. An dieser Stelle kommen wir auch schon zu einem wichtigen Punkt: Dropshipping sollte in den seltensten Fällen als einziges Geschäftsmodell genutzt werden!

 

nicht nur auf ein Pferd setzen!

 

Prinzipiell ist das Konzept “Dropshipping” durchaus überzeugend und kann eine sehr interessante Idee sein. Wir selbst nutzen dieses Handelsmodell für unsere Kundenbindungsprogramme und können eigentlich nur positives berichten. Allerdings wollen wir diese Methode nicht uneingeschränkt empfehlen um darauf sein komplettes Geschäftsmodell aufzubauen. Immerhin begibt man sich dadurch vollständig in die Hände des Großhändlers. Insbesondere wenn man mehrere Lager dieser Art für sein Unternehmen nutzt, steigt das Risiko deutlich, denn: die einzelnen Versandzeiten lassen sich nicht oder teils nur sehr schwer kontrollieren und auch die Lagerbestände können zu einem unberechenbaren Faktor werden.

 

Unser Tipp: insbesondere angehende Onlinehändler sollten nicht ausschließlich auf Dropshipping setzen sondern eine Mischung aus eigenem Sortiment mit eigenem Lager und Versand in Betracht ziehen. Dropshipping sollte insbesondere in der Anfangszeit lediglich als Ergänzung zum eigenen Sortiment verwendet werden und auch dann nur für eine überschaubare Anzahl an Produkten.

Über den Autor

Daniel Czapla ist Serienjunkie, Hobbyfußballer und unser "Nerd & Geek für's Internet".

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